
Hautpflege
Diese Übersicht bündelt praxisnahe Empfehlungen für die tägliche Hautpflege: von grundlegenden Pflegeschritten und Anti-Aging-Tipps über die richtige Versorgung kleiner Hautverletzungen und Juckreiz bis hin zu Sonnenschutz, Haar- und Kopfhautpflege sowie Nagelpflege. So erhalten Sie fundiertes, dermatologisch abgesichertes Wissen für den Alltag – kompakt und verständlich aufbereitet.
Diese Empfehlungen ersetzen keine individuelle Hautanalyse. Bei Fragen zu Ihrer Pflegeroutine oder bei Hautveränderungen können Sie auch meine telemedizinische Beratung nutzen – bei akuten Beschwerden, starken Reizungen oder plötzlichen Hautveränderungen empfehlen ich eine umgehende persönliche Vorstellung bei einem Hautarzt.
Trockene Haut lindern
Fachlich geprüft von Katri Hackländer, Fachärztin für Dermatologie, 05.09.2026
Trockene Haut spannt, schuppt oder juckt. Im Winter kommt oft noch trockene Heizungsluft dazu, im Alltag häufiges Händewaschen, Wind oder chlorhaltiges Schwimmbadwasser. Ich beschreibe hier, was die Hautbarriere entlasten kann – als Orientierung, nicht als Behandlungsplan für eine bestimmte Erkrankung wie atopisches Ekzem oder Schuppenflechte.
Durch die Hornschicht verdunstet ständig etwas Wasser (transepidermaler Wasserverlust, TEWL). Pflegefilme können diesen Verlust verlangsamen. Zwei Wirkprinzipien sind üblich:
- Okklusiva legen einen fettigen Film auf die Haut und halten Wasser zurück. Vaseline-artige Filme sind besonders dicht, fühlen sich aber oft ungewohnt an.
- Feuchthaltemittel (Humectants) ziehen Wasser in die oberen Schichten. Bei sehr trockener Raumluft können sie ohne Fettfilm Feuchtigkeit aus tieferen Lagen nach oben holen. Deshalb sind sie in der Praxis oft mit einem okklusiven Anteil kombiniert.
Wasser in einer Creme hydriert zuerst, verdunstet aber wieder, wenn kein Film folgt.
Baden und Duschen
Kurze, lauwarme Duschen oder Bäder (eher fünf bis zehn Minuten als ein langes Vollbad) belasten die Barriere weniger als langes, heißes Wasser. Die Badezimmertür kann man schließen, damit Dampf die Luft feuchter hält. Nach dem Waschen die Haut abtupfen und die Pflege auf noch leicht feuchte Haut geben – dann bleibt mehr Feuchtigkeit unter dem Film.
Die Reinigung reicht oft an den Stellen, die wirklich schmutzig oder schweißig sind (etwa Achseln und Leiste), statt den ganzen Körper stark aufzuschäumen. Wer sich rasiert, kann das gegen Ende des Duschens tun: Dann sind Haut und Haare weicher.
Alltägliche Seifen, Shampoos und Duschgele können trockene oder juckende Haut zusätzlich austrocknen. Als Waschersatz kommen rückfettende Mittel infrage. Sie schäumen kaum, reinigen aber. Auf nassem Fliesenboden können sie rutschig sein; eine rutschfeste Matte und Nachspülen der Wanne sind sinnvoll.
Hände nach jedem Waschen eincremen, nicht nur abends – eine kleine Tube in der Tasche hilft. Beim Spülen, bei Gartenarbeit oder bei kalter Luft schützen Handschuhe die Haut vor Nässe und Wind. Eine dünne Schicht einer rückfettenden Creme oder Bodylotion schützt die Haut vor dem Austrocknen durch Chlorwasser. Gerne vor dem Schwimmen und auch nach dem Schwimmen eincremen.
Lockere Baumwollkleidung reibt weniger als enge Synthetik oder Wolle direkt auf der Haut. Unter groben Stoffen hilft oft eine dünne Baumwoll- oder Seidenschicht. Lippen separat mit einem Pflegestift oder Vaseline pflegen, wenn sie spannen. Ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer kann trockene Heizungsluft mildern; das Gerät regelmäßig reinigen, damit kein Schimmel entsteht.
Welche Textur?
Der NHS (Der britische National Health Service) unterscheidet grob:
- Lotionen sind dünn, verteilen sich gut (auch behaarte Stellen), fetten aber weniger. Bei sehr trockener Haut halten Creme oder Salbe oft länger.
- Cremes ziehen oft tagsüber angenehmer ein.
- Salben sind fetter, halten Feuchtigkeit stärker und werden häufig abends auf sehr trockene, verdickte Haut aufgetragen. Auf nässende Flächen gehören sie in der Regel nicht.
- Sprays können helfen, wenn die Haut zu schmerzhaft zum Reiben ist.
Was „passt“, hängt von Stelle, Jahreszeit und Verträglichkeit ab – nicht von einem einzelnen „besten“ Produkt. Manche Menschen verwenden tagsüber eine Creme und nachts eine Salbe.
Pflege eher streichen als kräftig einreiben, in Haarwuchsrichtung, damit Follikel weniger verstopfen. Großzügig und regelmäßig auftragen. Der NHS nennt als Orientierung mehrmals täglich, besonders an Händen und Gesicht. Aus einem Tiegel mit einem sauberen Spatel oder Löffel entnehmen, nicht mit den Fingern ins ganze Gefäß greifen – sonst gelangen Keime in die Dose.
Wenn Sie eine ärztlich verordnete Creme (zum Beispiel ein Kortison) nutzen: Zwischen Pflege und Wirkcreme oft 20 bis 30 Minuten Abstand halten, Reihenfolge mit dem Arzt abklären. Sonst verdünnt die Pflege den Wirkstoff oder verteilt ihn auf Haut, die ihn nicht braucht.
Sicherheit
Manche Pflege brennt in den ersten Tagen. Hält das Brennen an, Follikel entzünden sich oder die Haut wird unreiner, den Apotheker oder Arzt fragen. Wässrige Cremes mit Natriumlaurylsulfat (SLS) werden in britischen Patienteninformationen nicht mehr als Pflege empfohlen, weil sie brennen und jucken können; als Waschersatz nutzen sie manche Menschen trotzdem.
Was ich weglassen würde
Stark parfümierte Mittel, ätherische Öle „weil natürlich“ und unnötige Wechsel zwischen vielen neuen Produkten. „Ohne Duftstoffe“ (fragrance-free) ist nicht dasselbe wie „unparfümiert“: Letzteres kann geruchsüberdeckende Stoffe enthalten, die reizen. Bei gereizter Haut oft wirklich duftstofffreie Mittel bevorzugen. Alkohol in Gesichtspflege und starke Retinoide können sehr trockene Haut zusätzlich belasten. Juckreiz-Cremes aus der Drogerie enthalten manchmal Stoffe, die rissige Haut noch mehr reizen – im Zweifel den Arzt fragen, bevor Sie ein solches Mittel auf großflächig trockene Haut legen.
Wann Sie ärztlich abklären sollten
Wenn die Haut einreißt, blutet, nässt, sich entzündet oder der Juckreiz den Schlaf stört, sollte die Ursache eingeordnet werden. Dann reicht Hausmittel-Pflege allein oft nicht. Dahinter kann ein Ekzem, eine Schuppenflechte oder seltener eine innere Erkrankung stecken. Auch wenn die Haut auf ein Pflegeprodukt mit Brennen reagiert, das nicht abklingt, lohnt der Austausch mit dem Arzt oder Apotheker. Mehr dazu unter Grenzen der Online-Beratung.
Quellen
Faktenkern, originäre Formulierung. Abruf 01.09.2026.
- NHS, „Emollients“ – Arten, Anwendung, Abstand zu Wirkcremes, Brandrisiko, SLS, Infektionsrisiko im Tiegel. OGL v3.0. https://www.nhs.uk/conditions/emollients/
- Wikipedia, „Moisturizer“ – Wasserverlust, Okklusiva und Humectants, Kontaktallergie, Brandrisiko Paraffin. CC BY-SA. https://en.wikipedia.org/wiki/Moisturizer
- NIAMS/NIH, „Healthy Skin Matters“ – nicht zu heiß waschen, Feuchtigkeit. Public Domain. https://www.niams.nih.gov/health-topics/kids/healthy-skin
- AAD, trockene Haut – ergänzend: kurze Duschen, nur nötige Waschstellen, Handschuhe, Luftbefeuchter, duftstofffrei vs. unparfümiert. https://www.aad.org/public/everyday-care/skin-care-basics/dry/dermatologists-tips-relieve-dry-skin
