
Hautpflege
Diese Übersicht bündelt praxisnahe Empfehlungen für die tägliche Hautpflege: von grundlegenden Pflegeschritten und Anti-Aging-Tipps über die richtige Versorgung kleiner Hautverletzungen und Juckreiz bis hin zu Sonnenschutz, Haar- und Kopfhautpflege sowie Nagelpflege. So erhalten Sie fundiertes, dermatologisch abgesichertes Wissen für den Alltag – kompakt und verständlich aufbereitet.
Diese Empfehlungen ersetzen keine individuelle Hautanalyse. Bei Fragen zu Ihrer Pflegeroutine oder bei Hautveränderungen können Sie auch meine telemedizinische Beratung nutzen – bei akuten Beschwerden, starken Reizungen oder plötzlichen Hautveränderungen empfehlen ich eine umgehende persönliche Vorstellung bei einem Hautarzt.
Fettige Haut in den Griff bekommen
Fachlich geprüft von Katri Hackländer, Fachärztin für Dermatologie, 05.09.2026
Glänzende Haut entsteht vor allem durch Talg. Talgdrüsen sitzen besonders dicht im Gesicht und auf der Kopfhaut, nicht an Handflächen und Fußsohlen. Talg ist ein Gemisch aus Fetten, unter anderem Triglyceriden, Wachsestern und Squalen. Er schützt Haut und Haar, hält sie geschmeidiger und trägt zum leicht sauren Film auf der Oberfläche bei. In der Pubertät und unter Androgenen (zum Beispiel Testosteron) wird oft mehr Talg gebildet. Zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr sind die Drüsen eher ruhig, danach steigt die Aktivität wieder. Das ist kein Hygieneproblem.
Glanz allein ist noch keine Akne. Talg schützt die Haut sogar; viele Menschen mit eher fettiger Haut haben eine dickere Hornschicht. Akne entsteht, wenn sich Follikel mit Talg und Hornzellen zusetzen und Bakterien, die ohnehin auf der Haut leben, die Stelle entzünden. Ob zusätzlich eine Akne, eine Rosazea oder etwas anderes vorliegt, klärt nur eine Untersuchung.
Reinigen, ohne die Barriere zu überfordern
Viele greifen bei Glanz zu sehr austrocknenden Waschmitteln, in der Hoffnung, das Fett „abzuschrubben“. Alkalische Stückseife kann den natürlichen, leicht sauren Film verschieben. Die Haut reagiert dann oft mit noch mehr Talg (manchmal als reaktive Seborrhö beschrieben), und Poren können sich leichter zusetzen.
Sinnvoller ist in der Regel eine milde Gesichtsreinigung, ein- bis zweimal täglich und nach starkem Schwitzen, ohne kräftiges Schrubben – auch nicht, um Make-up „abzureiben“. Ein schäumendes, aber mildes Waschgel kann angenehm sein; „kräftig“, alkoholisch oder stark ölig ist selten besser. Rückstände von Make-up sollten trotzdem vollständig ab, und Make-up gehört nicht mit ins Bett.
Danach eine leichte, verträgliche Pflege. Auch fettige Haut braucht Feuchtigkeit. Fehlt sie, kann die Haut spannen und trotzdem glänzen. Aufschriften wie „ölfrei“ oder „setzt Poren weniger zu“ sind Orientierung, keine Garantie. Parfüm und ätherische Öle vertragen empfindliche Haut oft schlecht. Bei Unsicherheit lieber wenige, gewohnte Produkte als ständiges Ausprobieren.
Die T-Zone (Stirn, Nase, Kinn) glänzt oft stärker als die Wangen. Manche Menschen pflegen die Zonen unterschiedlich – ohne die trockeneren Partien zu vergessen. Ölsaugpapiere können tagsüber Glanz nehmen, wenn Sie sie nur aufdrücken und nicht über das Gesicht reiben. Unnötiges Anfassen des Gesichts verteilt Talg und Keime von den Händen.
Was die Talgmenge nicht zuverlässig „abstellt“
Schokolade, fettiges Essen oder Stress werden oft als Ursache von Pickeln genannt. Das ist so pauschal nicht belegt. Ausdrücken von Pickeln kann Bakterien tiefer in die Haut drücken, Schwellung verstärken und Narben hinterlassen.
Säuren wie Salicylsäure stehen in manchen Waschmitteln. Sie können Glanz mindern, reizen aber. Brennt die Haut, seltener nutzen oder weglassen und den Apotheker fragen – das ist keine Pflicht-Routine für jeden mit Glanz.
Sonnenschutz bleibt sinnvoll. Wer zu Unreinheiten neigt, greift oft zu eher fettfreien Texturen. Nicht komedogene Cremes ziehen häufig schneller ein und hinterlassen weniger Film auf den Poren; das ist Orientierung, keine Garantie für ein mattes Hautbild. Manche Präparate enthalten zusätzlich Feuchthaltemittel wie Glycerin – die Haut soll nicht austrocknen. Dünner Auftrag mindert den Schutz, unabhängig vom Hauttyp. Mineralische Filter (Zinkoxid, Titandioxid) vertragen manche unreinere Haut besser, besonders ohne zusätzliches Parfüm oder Fett; das ist keine Regel für alle. Make-up mit matter, wasserbasierter Textur kann Glanz optisch mindern, ersetzt aber weder Pflege noch Lichtschutz.
Wann Sie ärztlich abklären sollten
Wenn sich schmerzhafte Knoten bilden, Narben drohen, die Haut trotz ruhiger Pflege dauernd entzündet ist oder Sie unsicher sind, ob es sich um Akne, Rosazea oder etwas anderes handelt, gehört das zum Arzt. Eine schriftliche Einschätzung anhand von Fotos kann eine Orientierung sein, ersetzt aber keine Untersuchung, wenn die Haut stark entzündet ist. Mehr dazu unter Grenzen der Online-Beratung.
Quellen
Faktenkern, originäre Formulierung. Abruf 01.09.2026.
- Wikipedia, „Sebaceous gland“ – Verteilung, Androgene, Zusammensetzung des Talgs, Schutzfilm. CC BY-SA. https://en.wikipedia.org/wiki/Sebaceous_gland
- Wikipedia, „Cleanser“ – alkalische Seife, reaktive Talgzunahme, Poren. CC BY-SA. https://en.wikipedia.org/wiki/Cleanser
- NIAMS/NIH, „Healthy Skin Matters“ – Akne, Follikelverstopfung, Mythos Schokolade/Stress, nicht ausdrücken. Public Domain. https://www.niams.nih.gov/health-topics/kids/healthy-skin
- AAD, oily skin – ergänzend: ölfrei/nicht komedogen als Orientierung, Ölsaugpapier, Gesicht nicht anfassen, Make-up nicht über Nacht. https://www.aad.org/public/everyday-care/skin-care-basics/dry/oily-skin
